Thomas ist 52 Jahre alt. Seit mehreren Jahren lebt er auf der Straße. Trotz seines harten Alltags spricht er mit einer bemerkenswerten Klarheit über die Ungerechtigkeiten, die er sieht. „Egal ob man arbeitet oder nicht: es kommt auf gleich“, sagt er, während er auf einer Bank in der Innenstadt sitzt.
Seine Worte klingen zunächst paradox. Wie kann es egal sein, ob man arbeitet, in einer Gesellschaft, die Leistung so hoch schätzt? Doch Thomas meint genau das: Das Leben auf der Straße zeigt schonungslos, dass Einkommen, gesellschaftlicher Status oder Jobsicherheit nicht automatisch Schutz, Würde oder Gerechtigkeit garantieren.
Thomas erzählt von den kleinen Alltagskämpfen: warme Mahlzeiten finden, den nächsten Schlafplatz sichern, Ärgernisse mit Behörden und Vorurteilen der Menschen erleben. „Da draußen merkt man schnell, dass viele Menschen denken, man sei selbst schuld. Aber die meisten wissen nicht, wie schnell man abrutschen kann – ein Jobverlust, eine Krankheit, ein falscher Schritt.“
Trotz allem verliert Thomas nicht seinen Humor und seine Menschlichkeit. „Die Leute sehen oft nur den Obdachlosen, nicht den Menschen dahinter“, sagt er. Für ihn ist Gleichheit nicht ein gesetzlicher Begriff, sondern ein menschliches Prinzip. Es geht darum, dass alle Menschen Respekt und Unterstützung verdienen, unabhängig davon, ob sie arbeiten oder nicht.
Thomas’ Geschichte ist kein Einzelfall. In Deutschland leben laut Schätzungen hunderttausende Menschen ohne festen Wohnsitz. Und doch berichten viele, wie kleine Gesten von Solidarität – ein Lächeln, eine heiße Suppe, ein offenes Ohr – den Alltag erträglicher machen können.
Am Ende seines Gesprächs lächelt Thomas. „Ich weiß, dass das Leben hart ist. Aber egal ob man arbeitet oder nicht – Respekt und Menschlichkeit sollten immer gleich verteilt sein.“
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