Mit zittrigen Händen hält Frau M. den Brief ihres Vermieters. Die 78-jährige Rentnerin aus einer kleinen Wohnung in der Stadt liest die Zeilen immer wieder – als könnte sich der Inhalt doch noch ändern. Doch die Botschaft bleibt dieselbe: Die Miete wird um 70 Euro erhöht. Für viele mag das nach einer überschaubaren Summe klingen. Für Frau M. jedoch ist es ein Schock, der sie an den Rand der Verzweiflung bringt.

Seit über 30 Jahren lebt die Seniorin in ihrer Wohnung. Sie hat dort ihre Kinder großgezogen, ihren Mann gepflegt, bis er starb, und sich nach einem arbeitsreichen Leben einen bescheidenen Alltag eingerichtet. Ihre Rente ist klein, jeder Euro ist verplant. Lebensmittel, Medikamente, Strom, Heizung – am Ende des Monats bleibt kaum etwas übrig. Die Mieterhöhung bringt dieses fragile Gleichgewicht nun ins Wanken.

„Ich weiß nicht, wo ich das hernehmen soll“, sagt Frau M. leise. Auf Luxus verzichtet sie längst. Neue Kleidung kauft sie selten, Ausgehen ist zur Ausnahme geworden. Schon jetzt überlegt sie, ob sie im Winter weniger heizen oder bei Lebensmitteln sparen muss. Die Angst, ihre Wohnung zu verlieren, raubt ihr den Schlaf. „Ich habe doch nur dieses Zuhause“, sagt sie.

Besonders bitter: Die Erhöhung trifft sie ohne Vorwarnung. Zwar sei sie rechtlich zulässig, erklärt der Vermieter, die Kosten seien gestiegen. Doch für Frau M. fühlt es sich an, als würde man ihr den Boden unter den Füßen wegziehen. Ein Umzug kommt für sie kaum infrage – körperlich wäre er kaum zu bewältigen, günstiger Wohnraum für Senioren ist rar.

Sozialverbände warnen, dass Frau M. kein Einzelfall ist. Immer mehr ältere Menschen geraten durch steigende Mieten in finanzielle Not. Viele schämen sich, Hilfe zu suchen, obwohl ihnen Unterstützung zustünde – etwa Wohngeld oder Beratung durch Mietervereine.

Frau M. hofft nun auf Hilfe. Sie hat sich an eine Beratungsstelle gewandt, vielleicht gibt es doch noch eine Lösung. Doch die Unsicherheit bleibt. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet“, sagt sie. „Ich hätte nie gedacht, dass ich im Alter solche Angst haben muss.“

Ihr Schicksal steht stellvertretend für viele Seniorinnen und Senioren in Deutschland – Menschen, die ihr Leben lang ihren Beitrag geleistet haben und nun fürchten müssen, ihr Zuhause zu verlieren.

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