Die Energy-Drink-Branche hat keinen Fehler gemacht. Sie reagierte auf ein reales Bedürfnis - Menschen mussten unter Bedingungen langer Arbeitstage, chronischen Stresses und eines ständigen Schlafmangels wach und leistungsfähig bleiben.
Mit der Zeit entwickelte sich der Markt weiter: weniger Zucker, mehr „saubere“ Inhaltsstoffe, Varianten mit pflanzlichem Koffein - und sogar ganz ohne Koffein.
Nach 15 Jahren in der Getränkebranche kam Waldemar Schlemmer jedoch zu dem Schluss, dass diese Kategorie nur einen Teil des Problems löst.
Er ist Gründer und CEO des Unternehmens NAD&Me, das derzeit die Markteinführung des funktionalen Getränks NAD4Me vorbereitet. Sein Konzept unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Ansätzen: Statt Stimulation steht die Unterstützung des Zellstoffwechsels im Mittelpunkt.
„Die meisten Energy-Drinks helfen, Müdigkeit weniger stark zu spüren. Das ist nützlich. Aber es ist nicht dasselbe, wie die Energieproduktion im Körper tatsächlich zu verbessern“, erklärt Schlemmer.
Warum Koffein nicht die ganze Energie ist
Selbst in seinen „saubereren“ Varianten wirkt Koffein heute noch genauso wie vor Jahrzehnten. Biologisch blockiert es Adenosin – einen Neurotransmitter, der Müdigkeit signalisiert. Der Mensch fühlt sich wacher, weil das Signal lediglich verzögert wird.
Die Energieproduktion in den Zellen steigt jedoch nicht an.
Deshalb folgt auf die Phase des Höhepunkts oft ein Einbruch. Die Energie ist tatsächlich nicht gestiegen – lediglich das Gefühl von Müdigkeit wurde vorübergehend unterdrückt.
Schlemmer kritisiert Koffein an sich nicht. Er erkennt seine Wirksamkeit bei Konzentration und kurzfristiger Aktivitätan. Er ist jedoch überzeugt, dass die nächste Entwicklungsstufe der Branche einen anderen Mechanismus erfordert.
Energie auf zellulärer Ebene: die Rolle von NAD⁺
Die Grundlage von NAD4Me ist das Molekül NAD⁺ (Nikotinamidadenindinukleotid). Es kommt in jeder lebenden Zelle vor und spielt eine zentrale Rolle bei der Umwandlung von Nährstoffen in Energie.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der NAD⁺-Spiegel mit dem Alter sowie unter chronischem Stress abnimmt. Deshalb steht dieses Molekül seit langem im Mittelpunkt des Interesses von Forschern, die sich mit Langlebigkeit und Stoffwechsel beschäftigen.
Das Problem ist jedoch, dass NAD⁺ instabil ist. Es wird durch Licht, Wärme, Sauerstoff und sogar durch Magensäure abgebaut. Aus diesem Grund wurde es bislang hauptsächlich in Nahrungsergänzungsmitteln oder in klinischen Anwendungen eingesetzt.
Wie das chemische Problem gelöst wurde
Das Projekt NAD&Me begann nicht mit einer Marketingidee, sondern mit einer wissenschaftlichen Herausforderung: Wie lässt sich NAD⁺ in der Form eines Getränks stabilisieren?
Schlemmer arbeitete mit dem österreichischen Arzt und Biochemiker Georg Birkmaier zusammen – einem der Pioniere der NAD(H)-Forschung. Fünf Jahre lang arbeitete das Team an der Stabilisierung des Moleküls.
Die Lösung erwies sich als Nanoverkapselung – eine Methode, die häufiger in der Pharmazie eingesetzt wird. Empfindliche Substanzen werden dabei in mikroskopisch kleine Schutzkapseln eingeschlossen, die sie während der Produktion, Lagerung und beim Durchgang durch den Magen schützen.
Die Kapseln bleiben im sauren Milieu des Magens stabil, und im Dünndarm – wo die Aufnahme stattfindet – geben sie ihren Inhalt frei.
„Der Magen ist ein Ort des Schutzes, nicht der Aufnahme“, erklärt Schlemmer.
Eine Formel mit umfassender Wirkung
In NAD4Me wirkt NAD⁺ nicht allein. Das Getränk enthält die sogenannte Cellular Energy Blend – eine Kombination aus stabilisiertem NAD⁺, L-Tryptophan, Trigonellin, Inositol und Ergothionein.
Jeder dieser Bestandteile erfüllt eine spezifische Funktion im Stoffwechsel, in der zellulären Signalübertragung oder beim antioxidativen Schutz. Entscheidend ist, dass alle Komponenten innerhalb eines einzigen Verabreichungssystems stabil bleiben.
„Energieproduktion ist nicht nur eine einzige Reaktion. Deshalb kann die Formel nicht aus nur einem Inhaltsstoff bestehen“, betont der Gründer.
Kein Ersatz für Kaffee, sondern ein anderes Ritual
Schlemmer positioniert sein Produkt nicht als Alternative zu Kaffee. Kaffee ist ein Ritual, eine Gewohnheit, eine soziale Geste.
NAD4Me – so sagt er – ist ein tägliches Ritual der Vitalität. Für Menschen, die nicht nur an einen Energieschub heute denken, sondern auch an ihr langfristiges Wohlbefinden.
Das spiegelt einen breiteren Trend wider: Verbraucher suchen immer häufiger nach Produkten, die den Körper auf einer tieferen Ebene unterstützen, statt nur einen schnellen Effekt zu liefern.
Ohne Koffein, Zucker und die „Energie-Achterbahn“
Die Startlinie umfasst drei Geschmacksrichtungen:
Minty Lime Spark - ein zitrus-kräuteriger Tonik
Tropical Wave - mit einer Note von Maracuja
Cellular Water - eine leichte Variante mit dem reinen Geschmack von sprudelndem Wasser
Alle Getränke sind frei von Koffein, raffiniertem Zucker und Stimulanzien.
Das ist eine bewusste Entscheidung: Das Produkt soll sich für den täglichen Konsum eignen, ohne starke Energieanstiege und plötzliche Einbrüche.
„Wenn Menschen ein Getränk in ihre tägliche Routine integrieren sollen, muss es vertraut und angenehm sein – und darf nicht wie ein Medikament wirken“, sagt Schlemmer.
Was das für den Markt bedeutet
Funktionale Getränke werden immer populärer. Wenn sich jedoch die erste Welle auf Stimulation konzentrierte und die zweite auf „sauberere“ Formeln, könnte sich die dritte auf die grundlegende Biologie richten.
Schlemmers Idee ist einfach: Energie ist nicht nur ein Gefühl. Sie ist ein Prozess, der in den Zellen stattfindet.
Wenn dieses Konzept seine Zielgruppe findet, könnte die Energy-Drink-Branche eine weitere Transformation erleben – diesmal nicht durch stärkere Stimulation, sondern durch ein tieferes Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Körpers.
Dann wäre jeder Schluck nicht nur ein „Energieschub“, sondern ein Teil der täglichen Pflege der eigenen Vitalität.
Quelle: ukrainianwall.com
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