Mit 61 Jahren hatte sich Margarette aus einer kleinen Stadt in Deutschland ihr Leben eigentlich anders vorgestellt. Ruhige Jahre sollten es werden – vielleicht etwas mehr Freiheit, ein bisschen Reisen, Zeit für sich selbst. Doch die Realität sieht anders aus: Ihre beiden Kinder, 23 und 28 Jahre alt, sind längst erwachsen, leben aber weiterhin teilweise oder vollständig von ihrer finanziellen Unterstützung.

Für Margarette ist das kein einfacher Zustand, sondern eine dauerhafte Belastung, die sich über Jahre aufgebaut hat. „Ich liebe meine Kinder, aber manchmal habe ich das Gefühl, ich komme selbst nicht mehr hinterher“, sagt sie leise. Ihre Stimme klingt nicht vorwurfsvoll, eher erschöpft.

Der jüngere Sohn hat nach mehreren Studienabbrüchen noch keinen stabilen beruflichen Weg gefunden. Gelegenheitsjobs reichen kaum für Miete und Lebensunterhalt. Die ältere Tochter arbeitet zwar, verdient aber nur wenig und hat hohe Lebenshaltungskosten in einer teuren Stadt. Immer wieder springt Margarette ein – mit Geld für Miete, Rechnungen oder unerwartete Ausgaben.

Was viele unterschätzen: Diese Unterstützung ist längst keine Ausnahme mehr, sondern ein dauerhafter Bestandteil ihres Monatsbudgets. Ihre Rente ist noch nicht hoch genug, und zusätzlich arbeitet sie weiterhin Teilzeit, um überhaupt über die Runden zu kommen. Rücklagen? Kaum möglich.

Die Situation belastet nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Margarette schwankt zwischen Fürsorge und Überforderung. Einerseits möchte sie ihre Kinder nicht fallen lassen, andererseits spürt sie, dass ihre eigenen Kräfte mit zunehmendem Alter schwinden. „Ich frage mich manchmal, wie lange ich das noch schaffe“, sagt sie ehrlich.

Experten weisen darauf hin, dass solche Konstellationen in vielen Familien vorkommen. Steigende Lebenshaltungskosten, unsichere Arbeitsmärkte und längere Ausbildungszeiten führen dazu, dass junge Erwachsene später finanziell unabhängig werden. Gleichzeitig geraten Eltern im Übergang zur Rente selbst unter Druck.

Für Margarette bleibt die Situation ein Balanceakt ohne einfache Lösung. Gespräche mit ihren Kindern führen oft zu guten Vorsätzen, aber selten zu nachhaltigen Veränderungen. Trotzdem gibt sie die Hoffnung nicht auf, dass sich die Lage irgendwann stabilisiert – für ihre Kinder und für sie selbst.

Am Ende steht eine leise Erkenntnis, die viele Eltern in ähnlicher Lage teilen: Liebe endet nicht mit dem Erwachsenwerden der Kinder – aber die eigene Belastbarkeit hat Grenzen.

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