In der belebten Innenstadt von Hamburg arbeitet seit über 20 Jahren die 44-jährige Friseurin Claudia M. Täglich empfängt sie Kund:innen in ihrem Salon, schneidet Haare, färbt Strähnen und berät individuell. Doch trotz jahrelanger Erfahrung und harter Arbeit gibt es etwas, das Claudia besonders enttäuscht: das fehlende Trinkgeld.
„Ich verstehe es einfach nicht“, sagt Claudia im Gespräch. „Wenn ich ins Restaurant gehe, bekommt die Bedienung Trinkgeld, das ist selbstverständlich. Aber bei uns Friseur:innen? Kaum jemand denkt daran.“
Laut Claudia ist es nicht nur ein finanzieller Aspekt. Trinkgeld sei auch eine Anerkennung für gute Arbeit. „Man investiert Zeit, Aufmerksamkeit und Herzblut. Ein kleines Dankeschön wäre wirklich motivierend“, so die 44-Jährige.
Branchenkenner:innen erklären den Unterschied teilweise mit der Tradition und der Psychologie des Trinkgeldgebens: Während Essen und Getränke als „fertige Dienstleistung“ verstanden werden, die direkt konsumiert wird, gilt ein Friseurbesuch oft als Routine oder als im Preis enthalten. Zudem gibt es bei Friseuren keine festen Regeln, wie viel Trinkgeld angemessen ist, was Kund:innen oft unsicher macht.
Claudia wünscht sich daher mehr Wertschätzung: „Es wäre schön, wenn die Menschen verstehen würden, dass unsere Arbeit mehr ist als nur Haare schneiden. Wir gestalten Wohlbefinden und Selbstvertrauen.“
Für viele Friseur:innen wie Claudia bleibt die Hoffnung, dass Trinkgeld in Zukunft nicht mehr nur Kellnern vorbehalten ist – sondern allen, die täglich für das Wohl ihrer Kund:innen sorgen.
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