Als Mira den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, schien die Welt für einen Moment stillzustehen. Ein kleines Leben kündigte sich an, wie ein leiser Ton, der erst zaghaft beginnt und dann den ganzen Raum erfüllt. Doch fast gleichzeitig stand im Flur noch ein anderer Zettel: die Kündigung ihres Partners Jonas. Die Zukunft fühlte sich plötzlich an wie ein Möbelstück, das man durch eine viel zu enge Tür tragen muss.

Die beiden gehören zu jenen Paaren, die an der Schwelle zur Elternschaft merken, wie eng finanzielle Sicherheit und seelische Ruhe miteinander verflochten sind. Während Mira mit wachsendem Bauch durch die Tage geht, kämpft Jonas mit Bewerbungen, Weiterbildungen und dem spürbaren Druck, „funktionieren“ zu müssen.

Die Frage, die beide beschäftigt: Wie sollen wir leben, wenn das Geld nicht reicht?

Der Alltag ordnet sich neu. Das Paar lernt, das Budget wie ein Gartengrundstück zu behandeln: nichts wächst von selbst, aber vieles gedeiht, wenn man bewusst damit umgeht. Sie haben begonnen, Ausgaben zu sortieren wie eine Schublade, die lange unaufgeräumt war:

  • Was ist wirklich notwendig?

  • Wo lassen sich Kosten verringern, ohne die Lebensqualität zu zerschneiden?

  • Wie können staatliche Unterstützungen genutzt werden, ohne sich klein zu fühlen?

Bald stehen Gespräche mit Beratungsstellen an, die Mira wie „Landkarten für unbekanntes Gelände“ bezeichnet. Wohngeld, Bürgergeld, Elterngeld, eventuelle Zuschüsse für Erstausstattung – kein goldener Regen, aber kleine Bausteine, die ein Fundament ermöglichen.

Gleichzeitig entsteht ein anderer, weniger sichtbarer Wert: gegenseitiges Vertrauen.

Jonas, der sich zeitweise wie ein Segel ohne Wind fühlt, findet Stärke darin, dass Mira nicht auf sein ehemaliges Gehalt, sondern auf ihn setzt. Mira wiederum spürt, dass die Unsicherheit sie beide dazu zwingt, ehrlicher und feinfühliger miteinander zu sprechen. Das Baby, das noch wächst, wirkt wie ein neuer Mittelpunkt, um den ihre Pläne kreisen.

Ob das Geld reichen wird? Wahrscheinlich gerade so, mit Improvisation und Behördenformularen, mit Wochenangeboten und wachsender Kreativität. Aber auch mit Momenten, die keinen Preis haben: das erste Hören des Herzschlags, das gemeinsame Aufbauen einer gebrauchten Wickelkommode, das spürbare „Wir schaffen das irgendwie“.

Die beiden wissen, dass sie keine Ausnahme sind. Viele Familien starten in Zeiten, die nicht perfekt sind. Doch Perfektion war ohnehin nie ein guter Baumeister für eine Zukunft. Beständigkeit, Mut und ein bisschen Erfindergeist – das sind die Materialien, die Mira und Jonas stattdessen benutzen.

Und vielleicht wird ihr Kind später einmal erfahren, dass es in einem Haushalt voller Liebe aufgewachsen ist, der zwar finanziell knirschte, aber seelisch erstaunlich weit war.

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