In einer ruhigen Seitenstraße am Rand von Frankfurt steht ein zweistöckiges Haus, dessen Fensterrahmen noch das matte Weiß der Achtzigerjahre tragen. Dort lebt Thomas, 72, ein Mann mit dem bedächtigen Charme jener Menschen, die ihr Leben wie ein langes Notizbuch geführt haben: eine Seite für die Kinder, eine für die Arbeit, eine für den Garten, und nun eine neue für den Abschied von all dem. 🕊️

Seit Monaten versucht er, sein Zuhause für 700.000 Euro zu verkaufen. Für ihn kein willkürlicher Preis, sondern die Summe eines halben Lebens – darin enthalten: unzählige Sonntage, die nach Apfelkuchen rochen, und Sommer, in denen das Gras unter den Füßen seiner Enkel nachgab wie ein geheimer Teppich.

Doch der Markt spielt ein anderes Lied. Die Immobilienpreise schwanken, die Käufer sind vorsichtig geworden, und das Haus scheint in den Anzeigenportalen ein wenig unscheinbar zwischen frisch sanierten Neubauten und energetisch polierten Reihenhäusern zu wirken. Die Besucher, die kommen, loben den Garten, nicken freundlich, und verschwinden dann wieder wie Zugvögel, die sich umentschieden haben.

Thomas beobachtet das mit einer Mischung aus Geduld und Unruhe. Nicht aus Gier, sondern aus Pragmatismus möchte er verkaufen: Das Haus ist groß, seine Knie weniger kooperativ als früher, und der Gedanke an eine kleinere Wohnung mit Aufzug wirkt mittlerweile wie ein stilles Versprechen.

Manchmal sitzt er am Abend auf der Terrasse, blickt über die Hecke in die dämmernde Nachbarschaft und fragt sich, ob ein Käufer vielleicht einfach nur den Mut braucht, den er selbst damals als junger Familienvater hatte. Vielleicht wartet irgendwo jemand, der bereit ist, die Geschichte des Hauses weiterzuschreiben.

Bis dahin bleibt Thomas gelassen. Er hat gelernt, dass manche Türen sich erst öffnen, wenn man aufhört, gegen sie zu drücken. Und vielleicht wird schon bald jemand an seiner Klingel läuten – nicht als Besucher, sondern als neuer Erzähler eines alten Hauses. 🪴

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