Seit 28 Jahren kümmert sich Sabine M., 57, um ihren Sohn Felix. Doch mittlerweile wäre sie froh, wenn er endlich ausziehen würde. Denn Felix lebt noch immer bei ihr – und zeigt keinerlei Ambitionen, das gemütliche Nest zu verlassen. Für die alleinerziehende Mutter ist das zur Belastung geworden.

Ein Sohn, der nicht flügge wird

Felix hat nach seinem Studium einige Zeit als freier Mitarbeiter gearbeitet, doch ein fester Job ließ auf sich warten. „Er sagt, er spart Geld, um sich eines Tages eine eigene Wohnung zu leisten, aber in Wahrheit gibt er sein Einkommen lieber für Hobbys und teure Technik aus“, klagt Sabine. Anstatt sich mit Wohnungsanzeigen zu beschäftigen, verbringt Felix seine Zeit lieber vor dem Computer oder mit Freunden.

Sabine hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihrem Sohn, doch inzwischen fühlt sie sich zunehmend als Haushälterin. „Ich koche, ich wasche, ich räume hinter ihm her – und er sieht das als selbstverständlich an“, sagt sie enttäuscht. Gespräche, in denen sie ihn ermutigt, sich eine eigene Bleibe zu suchen, verlaufen meist im Sande. „Er meint, die Mieten seien zu hoch und es sei ja auch für mich praktisch, dass er da ist.“

Der Wunsch nach Unabhängigkeit – auf beiden Seiten

Doch Sabine sehnt sich nach einem neuen Lebensabschnitt. „Ich habe so viele Jahre nur für meinen Sohn gelebt. Jetzt möchte ich endlich an mich denken – reisen, Hobbys nachgehen, meine Ruhe genießen“, erklärt sie. Doch solange Felix noch zu Hause wohnt, bleibt dieser Wunsch unerfüllt.

Die Mutter ist hin- und hergerissen. Einerseits liebt sie ihren Sohn und möchte ihn nicht unter Druck setzen, andererseits fühlt sie sich ausgenutzt. „Manchmal frage ich mich, ob ich ihn zu sehr verwöhnt habe. Vielleicht habe ich es ihm einfach zu bequem gemacht.“

Was tun? Experten raten zu klaren Regeln

Familientherapeuten empfehlen in solchen Fällen, klare Vereinbarungen zu treffen. Sabine könnte etwa Miete verlangen oder Felix dazu verpflichten, sich aktiv um eine Wohnung zu kümmern. „Es ist wichtig, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse nicht völlig zurückstellen“, sagt Psychologin Dr. Martina Weber. „Ein sanfter, aber bestimmter Anstoß kann helfen, dass der Sohn Eigenverantwortung übernimmt.“

Sabine hofft nun, dass sich Felix bald einen Ruck gibt. „Ich liebe meinen Sohn – aber ich will endlich mein eigenes Leben zurück.“

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