Ich heiße Anton und bin 59 Jahre alt. Ich lebe in einem Haus, das man kaum noch Haus nennen kann. Die Wände sind rissig, der Putz fällt in kleinen Stücken zu Boden, und wenn es regnet, höre ich das Wasser durch das kaputte Dach tropfen. Manchmal zähle ich die Tropfen, nur um mir selbst zu beweisen, dass ich noch da bin.

Früher war dieses Haus voller Stimmen. Lachen in der Küche, Schritte auf der Treppe, Musik aus dem alten Radio. Heute höre ich nur den Wind, der durch zerbrochene Fenster pfeift, und mein eigenes Atmen. Ich habe gelernt, mit wenig auszukommen. Ein Ofen, der nicht mehr richtig zieht. Eine Matratze, die ihren Namen kaum verdient. Ein Tisch, der schief steht, so wie mein Leben.

Ich bin nicht immer hier gewesen. Ich hatte Arbeit, Kollegen, Pläne. Doch dann kamen die Jahre, in denen alles Stück für Stück wegbrach. Erst der Job, dann die Kraft, mich immer wieder neu zu erklären. Hilfe habe ich gesucht, wirklich. Ich war bei Ämtern, habe Formulare ausgefüllt, gewartet, gehofft. Meistens hieß es: „Da können wir leider nichts machen.“ Manchmal kam gar keine Antwort.

Die Menschen gehen an meinem Haus vorbei, als wäre es unsichtbar. Einige schauen kurz hin, schütteln den Kopf und gehen weiter. Ich nehme es ihnen nicht übel. Jeder trägt sein eigenes Gewicht. Trotzdem tut es weh, zu wissen, dass man allein ist. Nicht nur ohne Geld oder Reparaturen, sondern ohne Aussicht, dass sich etwas ändert.

Nachts liege ich wach und frage mich, wie es so weit kommen konnte. Ob ich an irgendeiner Stelle anders hätte abbiegen müssen. Ob ein einziges „Komm, ich helfe dir“ gereicht hätte. Das Haus ist wie ein Spiegel meines Inneren geworden: kaputt, aber noch stehend. Noch nicht eingestürzt.

Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe, weil ich existiere. Weil es Menschen wie mich gibt, die zwischen Zuständigkeiten und Gleichgültigkeit verschwinden. Ich bin 59 Jahre alt, ich lebe in einem ruinierten Haus, und niemand kann mir helfen. Aber solange ich meine Geschichte erzählen kann, bin ich mehr als nur ein vergessenes Gebäude am Rand der Straße.

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