Dr. Helene Krüger, 78 Jahre alt und seit über fünf Jahrzehnten als Mathematikprofessorin tätig, beobachtet mit Sorge eine Entwicklung, die sie so noch aus ihrer Anfangszeit an der Universität kennt. „Früher war die Einstellung der Studenten eine ganz andere“, sagt sie mit leichtem Stirnrunzeln. „Heute habe ich oft das Gefühl, dass viele sich nur noch oberflächlich vorbereiten und wenig Eigeninitiative zeigen.“

Dr. Krüger, die einst selbst eine brillante Studentin war und später an renommierten Hochschulen lehrte, erinnert sich noch genau an die Atmosphäre vor 20, 30 Jahren. „Wir saßen oft nächtelang in der Bibliothek, lösten schwierige Aufgabenblätter und diskutierten stundenlang über mathematische Theorien. Eigenständiges Denken wurde gefordert und gefördert.“

Heute beobachtet sie, dass Studierende zunehmend auf fertige Lösungen oder Online-Hilfen zurückgreifen, anstatt selbst intensiv zu tüfteln. „Natürlich hat die Digitalisierung vieles erleichtert, und Hilfsmittel sind nützlich. Aber das Eigenengagement und die Ausdauer, die früher selbstverständlich waren, scheinen weniger zu werden.“

Trotz ihrer Kritik ist Dr. Krüger keineswegs pessimistisch. Sie betont, dass Motivation und Begeisterung weiterhin den Unterschied machen. „Ich habe auch heute noch Studenten, die außergewöhnlich engagiert sind. Sie lesen selbstständig Fachliteratur, stellen Fragen und wollen wirklich verstehen, nicht nur bestehen.“

Mit 78 Jahren lehrt Dr. Krüger immer noch regelmäßig, vor allem Grundlagen- und Fortgeschrittenenkurse in Algebra und Analysis. „Mathematik ist zeitlos. Die Konzepte ändern sich nicht, nur die Art und Weise, wie man sie lernt“, sagt sie. Ihr Appell an die junge Generation ist klar: „Setzt euch intensiv mit dem Stoff auseinander, seid neugierig und faulheit hat in der Mathematik nichts verloren.“

Die Professorin sieht die Entwicklung nicht nur kritisch, sondern auch als Chance: „Vielleicht können wir neue Lernmethoden entwickeln, die die Vorteile der modernen Technik nutzen, ohne die Tugenden des selbstständigen Lernens zu verlieren.“

Dr. Krüger bleibt damit ein eindrucksvolles Beispiel für Engagement und Leidenschaft für die Mathematik – und ein Spiegel für die sich wandelnde Lernkultur an Hochschulen.

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