Der Bahlsen-Chef Alexander Kühnen hat sich deutlich von der AfD distanziert und vor den möglichen Folgen rechtspopulistischer Politik für Wirtschaft und Gesellschaft gewarnt. In einem Interview erklärte er, dass bestimmte Positionen der Partei nicht mit den Werten seines Unternehmens vereinbar seien. Besonders kritisch äußerte er sich zu Forderungen rund um das Thema „Remigration“. Solche Ideen stünden im Widerspruch zu einer offenen Gesellschaft und zu den Prinzipien, auf denen moderne Unternehmen heute aufbauen.

Kühnen machte deutlich, dass Deutschland wirtschaftlich stark von Internationalität, Vielfalt und qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland abhängig sei. Unternehmen seien darauf angewiesen, Menschen unterschiedlicher Herkunft einzubinden und internationale Perspektiven zu nutzen. Eine politische Entwicklung hin zu Abschottung oder Ausgrenzung könne daher langfristig dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden. Nach seiner Ansicht würde eine solche Haltung nicht nur gesellschaftliche Spannungen verschärfen, sondern auch Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Der Bahlsen-Chef kritisierte außerdem, dass sich viele Unternehmen zu selten öffentlich zu politischen und gesellschaftlichen Fragen äußern. Gerade große Firmen hätten jedoch eine besondere Verantwortung, demokratische Werte zu verteidigen und klar Haltung zu zeigen. Schweigen könne in angespannten gesellschaftlichen Situationen schnell als Gleichgültigkeit verstanden werden. Deshalb sei es wichtig, dass Unternehmen deutlich machen, wofür sie stehen und welche Werte sie vertreten.

Darüber hinaus sprach Kühnen über die Bedeutung einer offenen Unternehmenskultur. Mitarbeitende sollten sich unabhängig von Herkunft, Religion oder persönlichen Überzeugungen respektiert und akzeptiert fühlen. Vielfalt sei nicht nur ein gesellschaftlicher Wert, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil, weil unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen neue Ideen und kreative Lösungen fördern könnten. Unternehmen müssten deshalb Räume schaffen, in denen Offenheit, Respekt und demokratisches Denken selbstverständlich seien.

Mit seinen Aussagen reiht sich Kühnen in eine wachsende Zahl von Unternehmern und Wirtschaftsvertretern ein, die sich kritisch gegenüber rechtspopulistischen Bewegungen äußern. Viele von ihnen warnen davor, dass politische Radikalisierung Unsicherheit schaffen und dem internationalen Ansehen Deutschlands schaden könnte. Gerade exportorientierte Unternehmen seien auf stabile politische Verhältnisse, internationale Kooperation und gesellschaftlichen Zusammenhalt angewiesen.

Kühnen betonte abschließend, dass wirtschaftlicher Erfolg und demokratische Werte eng miteinander verbunden seien. Eine freie und offene Gesellschaft bilde die Grundlage für Innovation, Vertrauen und langfristigen Wohlstand. Unternehmen dürften sich deshalb nicht nur auf wirtschaftliche Ziele konzentrieren, sondern müssten auch Verantwortung für das gesellschaftliche Klima übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wolfram Weimer: „Die AfD wird bis 2029 auf neun Prozent fallen“

Rente reicht nicht mal fürs Brot: wie lässt Deutschland seine Alten im Stich