In Deutschland gibt es eine Reihe von Regelungen, die bestimmen, wie viel jemand verdienen kann, ohne bestimmte Sozialleistungen zu verlieren oder steuerliche Belastungen zu erhöhen. Eine häufig gestellte Frage ist, ab welchem Einkommen man „aufhört“, also keine Sozialhilfe oder ähnliche staatliche Unterstützung mehr erhält. Doch was genau ist damit gemeint und wie setzen sich diese Grenzen zusammen? Der Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte rund um die Verdienstgrenze und deren Auswirkungen auf Einkommensbezieher.
1. Was ist eine Verdienstgrenze?
Die Verdienstgrenze bezeichnet den Betrag, den eine Person verdienen darf, bevor sie bestimmte soziale Leistungen verliert oder steuerlich benachteiligt wird. In vielen Fällen ist die Verdienstgrenze relevant für die Berechnung von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Wohngeld oder Kinderzuschlägen. Wird diese Grenze überschritten, entfällt entweder der Anspruch auf staatliche Hilfe oder es kommen neue steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Verpflichtungen hinzu.
2. Einkommen und Sozialleistungen: Auswirkungen der Verdienstgrenze
a) Arbeitslosengeld (ALG I und ALG II)
Ein häufiges Beispiel für die Verdienstgrenze ist das Arbeitslosengeld. Bei ALG I ist die Höhe des Anspruchs abhängig vom vorherigen Einkommen. Überschreitet jemand die Grenze für den Anspruch auf Arbeitslosengeld, etwa aufgrund eines hohen Einkommens in der Zeit vor der Arbeitslosigkeit, wird der Anspruch reduziert oder entfällt gänzlich.
Anders sieht es bei Arbeitslosengeld II (Hartz IV) aus. Hier gibt es eine bestimmte Einkommensgrenze, bis zu der man die Hilfe erhält. Verdient eine Person mehr als den sogenannten „Existenzminimum-Betrag“ (der aktuell bei etwa 500 bis 600 Euro für eine alleinstehende Person liegt), wird der Anspruch auf ALG II ebenfalls gestrichen oder gekürzt.
b) Wohngeld
Das Wohngeld ist eine weitere Sozialleistung, bei der das Einkommen eine Rolle spielt. Wer ein bestimmtes Einkommen überschreitet, verliert den Anspruch auf Wohngeld. Auch hier gibt es bestimmte Schwellenwerte, die an die Haushaltsgröße und den Mietaufwand gekoppelt sind. Das bedeutet, dass mit steigendem Einkommen auch die Höhe des Wohngeldes sinkt, bis es bei einer zu hohen Einkommensgrenze komplett entfällt.
c) Kinderzuschlag und Kindergeld
Für Eltern gibt es ebenfalls Einkommensgrenzen, die den Anspruch auf den Kinderzuschlag oder das Kindergeld beeinflussen. Während das Kindergeld weitgehend unabhängig vom Einkommen ist, gibt es für den Kinderzuschlag eine Einkommensobergrenze, die nicht überschritten werden darf, damit der Zuschlag weiterhin gezahlt wird. Wer darüber hinaus verdient, verliert den Anspruch.
3. Steuerliche Verdienstgrenzen und der Spitzensteuersatz
Abgesehen von sozialen Leistungen gibt es auch steuerliche Verdienstgrenzen. Wer ein bestimmtes Jahreseinkommen überschreitet, rutscht in den höheren Steuerbereich und unterliegt dem Spitzensteuersatz. In Deutschland liegt dieser bei 42 % (ab einem Jahreseinkommen von ca. 58.000 Euro für Alleinstehende bzw. 116.000 Euro für Verheiratete). In noch höheren Einkommensklassen, die ab etwa 270.000 Euro jährlich beginnen, wird sogar der sogenannte Reichensteuersatz von 45 % angewendet.
4. Die Grenze, ab der es sich „nicht mehr lohnt“?
Die Frage, ab welchem Einkommen es sich „nicht mehr lohnt“, zu arbeiten, stellt sich in vielen Bereichen, besonders im Hinblick auf Sozialleistungen. Tatsächlich ist es so, dass Menschen, die von staatlichen Leistungen wie ALG II leben, oft vor einer schwierigen Entscheidung stehen, wenn sie ein höheres Einkommen erzielen. In einigen Fällen kann es vorkommen, dass durch den Verlust von Sozialleistungen und die Hinzunahme höherer Steuern der finanzielle Vorteil des zusätzlichen Einkommens nur gering ausfällt oder sogar negativ wird.
Das sogenannte „Hartz-IV-Falle“ ist ein Phänomen, bei dem Menschen, die nur geringfügig mehr verdienen, durch die Wegfall der Sozialhilfe oder durch hohe Steuern benachteiligt werden. Die Verdienstgrenze, bis zu der sich Arbeit finanziell wirklich lohnt, hängt von vielen Faktoren wie Steuerklasse, familiären Verhältnissen und Wohnkosten ab.
5. Fazit: Verdienstgrenzen können komplex sein
Ab welchem Einkommen man „aufhört“ oder bestimmte Sozialleistungen verliert, ist also nicht pauschal zu beantworten. Es gibt zahlreiche Faktoren, die dabei eine Rolle spielen: die Art der Sozialleistung, die individuelle Steuerlast und die spezifische Einkommenssituation. In Deutschland ist es wichtig, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Sozialhilfeempfänger sich regelmäßig über die jeweiligen Verdienstgrenzen informieren, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Es lohnt sich, bei Unsicherheiten einen Steuerberater oder eine Sozialberatungsstelle aufzusuchen, um genau zu erfahren, welche Einkommensgrenzen für die individuelle Situation relevant sind und wie man die optimale Lösung findet.