Ute ist 62 Jahre alt und lebt in einer mittelgroßen Stadt in Deutschland. Eigentlich hatte sie sich ihren Lebensabend anders vorgestellt: weniger Stress, mehr Ruhe, vielleicht etwas Zeit für Familie, Spaziergänge und ein Leben ohne ständigen Zeitdruck. Doch die Realität sieht anders aus.

Um ihre laufenden Kosten zu decken, arbeitet Ute heute in zwei Jobs – eine Situation, die sie vor einigen Jahren selbst nicht für möglich gehalten hätte. Vormittags ist sie in einem kleinen Supermarkt tätig, wo sie Regale einräumt, Waren kontrolliert und Kundinnen und Kunden an der Kasse bedient. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, besonders für jemanden in ihrem Alter. Doch sie sagt, die Bewegung halte sie irgendwie „im Gang“.

Am späten Nachmittag beginnt ihr zweiter Job: Reinigungskraft in einem Bürogebäude. Wenn die meisten Angestellten längst zu Hause sind, wischt sie Böden, leert Papierkörbe und sorgt dafür, dass die Räume am nächsten Morgen wieder sauber sind. Oft endet ihr Arbeitstag erst am späten Abend.

Ute lebt nicht verschwenderisch. Die steigenden Lebenshaltungskosten, Miete, Strom und Lebensmittel haben jedoch dazu geführt, dass ihre Rente allein nicht ausreicht. „Früher hätte ich nie gedacht, dass ich mal im Alter noch so viel arbeiten muss“, sagt sie ruhig, ohne Bitterkeit, aber mit einer gewissen Müdigkeit in der Stimme.

Freizeit ist selten geworden. Freunde sieht sie weniger als früher, und für größere Aktivitäten fehlt oft die Energie. Trotzdem versucht Ute, sich kleine Auszeiten zu schaffen – eine Tasse Kaffee am Morgen, ein Telefonat mit ihrer Tochter oder ein freier Nachmittag im Monat, wenn es der Plan zulässt.

Ihr Alltag steht beispielhaft für eine Entwicklung, die viele Menschen betrifft: steigende Lebenshaltungskosten und niedrige Renten zwingen einige ältere Arbeitnehmer dazu, weiterzuarbeiten oder mehrere Jobs zu kombinieren. Experten warnen schon länger vor dieser Entwicklung, besonders bei Menschen mit niedrigen bis mittleren Einkommen.

Trotz allem bleibt Ute pragmatisch. Aufgeben ist für sie keine Option. „Ich mache einfach weiter“, sagt sie. „Was soll man sonst tun?“

Ihr Leben zeigt eine stille Realität, die oft im Verborgenen bleibt: Hinter den Zahlen der Statistik stehen Menschen wie Ute – die jeden Tag aufs Neue versuchen, ihr Leben zu stemmen.

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