Während viele Menschen morgens frische Brötchen und Brot genießen, beginnt für Bäckermeister Thomas Müller der Arbeitstag lange vor Sonnenaufgang. Der Inhaber einer kleinen Familienbäckerei arbeitet nach eigenen Angaben inzwischen bis zu 90 Stunden pro Woche, weil er keine ausreichende Zahl qualifizierter Mitarbeiter findet.
„Ich stehe oft kurz nach Mitternacht auf und bin bis in den Nachmittag hinein in der Backstube oder im Verkauf beschäftigt“, berichtet der 54-Jährige. Unterstützung durch neue Angestellte zu finden, sei in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Bewerbungen seien selten, und viele Interessenten würden die körperlich anspruchsvolle Arbeit sowie die frühen Arbeitszeiten scheuen.
Der Betrieb beschäftigt derzeit nur wenige Mitarbeiter, sodass viele Aufgaben beim Inhaber selbst hängen bleiben. Neben dem Backen kümmert sich Müller auch um Bestellungen, Lieferungen, Kundenkontakte und organisatorische Arbeiten. Freizeit sei dadurch zu einer Seltenheit geworden.
Branchenverbände weisen darauf hin, dass der Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk deutschlandweit ein wachsendes Problem darstellt. Viele Betriebe berichten von unbesetzten Stellen und Schwierigkeiten bei der Suche nach Auszubildenden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch höhere Energie-, Rohstoff- und Personalkosten.
Für Müller ist die Situation belastend. „Ich liebe meinen Beruf und möchte die Bäckerei erhalten, aber auf Dauer sind 90 Stunden pro Woche kaum durchzuhalten“, sagt er. Dennoch wolle er nicht aufgeben. Seine Stammkunden schätzten die handwerklich hergestellten Backwaren und die persönliche Atmosphäre des Geschäfts.
Um die Zukunft des Betriebs zu sichern, setzt der Bäcker auf flexible Arbeitsmodelle und die Ausbildung junger Nachwuchskräfte. Ob das ausreichen wird, bleibt jedoch offen. Für viele kleine Handwerksbetriebe steht die Frage im Raum, wie sie unter den aktuellen Bedingungen langfristig bestehen können.
Der Fall von Thomas Müller zeigt, vor welchen Herausforderungen zahlreiche Handwerksunternehmen derzeit stehen: Ohne ausreichend qualifizierte Mitarbeiter geraten selbst erfolgreiche Betriebe zunehmend unter Druck.
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