In den abgelegenen Hügeln Rumäniens, fernab von Städten, Straßenlärm und dem schnellen Takt der modernen Welt, lebt ein 89-jähriger Mann, den viele in der Region nur „Tata Ion“ nennen. Sein voller Name ist Ion Popescu, doch in seiner kleinen Welt aus Wald, Holz und Erinnerungen spielt der Nachname kaum eine Rolle.

Seine Hütte steht dort, wo die geteerten Straßen längst enden und nur noch schmale Pfade weiterführen, zwischen dichten Wäldern und sanften, aber ungezähmten Hügeln. Strom gibt es nur gelegentlich über ein kleines Solarpanel, und fließendes Wasser ersetzt ein klarer Bach, der das ganze Jahr über aus den Bergen kommt.

Ion lebt allein – oder besser gesagt: mit der Natur. Jeden Morgen beginnt sein Tag mit dem Knacken des Holzes im Ofen, selbst wenn es Sommer ist. „Gewohnheit“, sagt er dann oft. Sein Leben lang hat er in diesen Bergen gearbeitet: als Schäfer, als Holzfäller, später einfach als jemand, der geblieben ist, als andere gingen.

Die nächsten Nachbarn leben mehrere Kilometer entfernt. Im Winter kann der Schnee die Wege vollständig verschließen, und manchmal sieht Ion tagelang keinen anderen Menschen. Doch Einsamkeit ist für ihn kein leeres Wort. „Die Berge sprechen“, sagt er ruhig, „man muss nur zuhören.“

Früher hatte er eine Familie im Tal, doch die Kinder sind längst in die Städte gezogen – nach Bukarest, nach Cluj, einige sogar ins Ausland. Besuche sind selten geworden, aber nicht vergessen. In einer kleinen Holztruhe bewahrt er alte Fotografien auf: verblasste Gesichter, Sommerfeste, Hochzeiten, Zeiten, in denen das Haus voller Stimmen war.

Trotz seines Alters kümmert sich Ion noch selbst um alles, was sein Leben trägt. Er sammelt Holz, hält ein paar Hühner, pflegt einen kleinen Garten mit Kartoffeln und Bohnen. Seine Bewegungen sind langsam, aber sicher – wie jemand, der jeden Stein seines Weges seit Jahrzehnten kennt.

Manchmal kommt ein Hirte vorbei oder ein Wanderer verirrt sich in diese abgelegene Gegend. Dann sitzt Ion vor seinem Haus, bietet Tee an und erzählt Geschichten, die sich irgendwo zwischen Realität und Erinnerung bewegen. Geschichten von harten Wintern, von Bären im Wald und von einer Zeit, in der das Leben einfacher schien, aber nicht leichter war.

Wenn die Sonne hinter den Bergen verschwindet und die Nacht über die Wälder fällt, wird es still. Keine Autos, keine Lichter am Horizont – nur der Wind, der durch die Bäume streicht. Dann sitzt der 89-jährige Rumäne oft noch lange vor seiner Hütte und schaut in die Dunkelheit, als würde er dort etwas Vertrautes erkennen.

Für ihn ist diese Abgeschiedenheit kein Verlust. Sie ist ein Leben, das geblieben ist, während die Welt sich weitergedreht hat.

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